Bericht von der konstituierenden Sitzung des Ortsbeirates in Mainz-Kostheim am 15. April 2026

Auf der ersten Sitzung des Orts­bei­rates ist die Wahl des Orts­vor­ste­hers bzw. der Orts­vor­ste­herin und seiner Stellvertreter:in immer der wich­tigste Tagesordnungspunkt.

Hier die Kurz­ver­sion:
Zum Orts­vor­steher gewählt wurde der SPD-Mann Achim Gleissner – er erhielt insge­samt elf Stimmen von SPD (4), CDU (3), FDP (1) und FWG (3). Unsere Kandi­datin Marion Mück-Raab unterlag mit den vier Stimmen der AUF-Fraktion.

Zu stell­ver­tre­tenden Orts­vor­ste­hern gewählt wurden der CDU-Mann Hans Dötsch und der FWG-Mann Sieg­fried Zeitler mit jeweils 5 Ja-Stimmen bei 15 Stimm­be­rech­tigten. Nein-Stimmen durften in dem Wahl­gang nicht abge­geben werden, fünf Stimm­zettel waren ungültig.

Herz­li­chen Glückwunsch!

Und hier nun die lange Version für alle, die mehr Zeit haben und sich jetzt wundern:
Insge­samt fünf­zehn Sitze gibt es im Orts­beirat – die sind in Kost­heim nach der Wahl so verteilt worden: Wir haben vier Sitze, die SPD hat vier Sitze, die CDU und die FWG haben jeweils drei und die FDP hat einen Sitz. Wer Orts­vor­steher werden will, braucht also eine Mehr­heit von acht Stimmen.

Eins Komma fünf

Wir haben Marion Mück-Raab, die in den letzten fünf Jahren stell­ver­tre­tende Orts­vor­ste­herin war, als Orts­vor­ste­herin vorge­schlagen. Sie ist seit 2011 für den AUF im Orts­beirat, sie hat Erfah­rung, kennt Kost­heim und seine Vereine und sie ist bekannt bei den Bürge­rinnen und Bürgern. Und beliebt: Sie hat mit 1230 Stimmen beim Kumu­lieren und Pana­schieren das beste Ergebnis in Kost­heim bekommen – zum Vergleich der Spit­zen­kan­didat der SPD: Achim Gleissner konnte beim Kumu­lieren und Pana­schieren 854 Stimmen erreichen.

Doch die SPD war leider nicht bereit, Marion als Orts­vor­ste­herin zu wählen. Denn die SPD wollte den Orts­vor­steher selbst stellen. Ihre Begrün­dung dafür war: Die SPD habe als stärkste Kraft einen Anspruch darauf.

Wer stärkste Kraft ist, das bemisst sich nach Wahlen in Sitzen und danach sind AUF und SPD gleich stark: Beide haben vier Sitze. Trotzdem: Die SPD beharrte auf den 1,5 Prozent­punkten, die sie mehr hatte.

Ich möchte gerne, dass sach­ori­en­tiert gear­beitet wird – dass der Orts­beirat zum Arbeits­gre­mium wird. Ein Gremium, bei dem Bürge­rinnen und Bürger gehört werden, bei dem sie mitdenken und mitar­beiten können. Solche Verän­de­rungen zu orga­ni­sieren und neue Wege auszu­pro­bieren – selbst­ver­ständ­lich im Rahmen der Hessi­schen Gemein­de­ord­nung – darin sähe ich meine Aufgabe als Ortsvorsteherin.

Marion Mück-Raab in ihrer Vorstellungsrede

Halbe halbe?

Was soll man denn da machen? Es war ja auch nicht so, dass wir groß etwas gegen Achim Gleissner hatten. Wir fanden Marion besser, mehr nicht. Also machte Marion der SPD den Vorschlag, die Amts­zeit zu teilen – jeder hat gleich viel Sitze, also bekommt jeder die Hälfte der Amts­zeit und die gesamte Amts­pe­riode arbeiten wir eng zusammen. Darauf ließ sich die SPD aber nicht ein, sie wollte nicht einmal mit uns darüber reden, wie so ein Modell (das gerade auch in Schier­stein prak­ti­ziert wird) in der Praxis aussehen könnte. 

Das einzige, was sie uns anbot: Marion könne gerne wieder Stell­ver­tre­terin werden, übri­gens neben Sieg­fried Zeitler von der FWG, der habe daran auch Inter­esse. Ansonsten: Keine verbind­li­chen inhalt­li­chen Verab­re­dungen. Nada. Das haben wir abge­lehnt. Marion hatte auch so gar keine Lust darauf: Keine Gestal­tungs­mög­lich­keiten, dafür nur Termine, für die der Orts­vor­steher gerade keine Zeit hat? Was soll man denn mit so einem Posten?

Ich wünsche mir, dass unser Orts­beirat als Instru­ment der Bürger­be­tei­li­gung viel effek­tiver wird. Ich wünsche mir, dass die Frak­tionen stärker zusam­men­ar­beiten und den Konsens suchen, wenn das möglich ist. 

Marion Mück-Raab in ihrer Vorstellungsrede

Andere Mehr­heiten für Marion gab es nicht. Die FWG war „privat so ausge­bucht“, dass sie unserem Wunsch, mit uns zu spre­chen, nicht nach­kommen konnte. Da wir mit der vorhe­rigen FWG-Frak­tion eng und vertrau­ens­voll zusam­men­ge­ar­beitet hatten, konnten wir das zunächst gar nicht verstehen. Nun ja. Jetzt wissen wir: Die FWG Kost­heim hatte sich längst entschieden, den SPD-Mann zu wählen und dafür den Stell­ver­treter-Posten zu bekommen.

Macht elf

Also kam es zu einer Kampf­kan­di­datur zwischen Achim Gleissner und Marion. Dass Marion keine Mehr­heit errei­chen wird, war dabei klar. Das Stimm­ergebnis war für uns trotzdem eine Über­ra­schung: Ausnahmslos alle im Orts­beirat – bis auf unsere Frak­tion natür­lich – gaben Achim Gleissner ihre Stimme. Er bekam sogar die drei Stimmen von der CDU.

Gleich zwei

Weil alle so brav waren, gab es dann nicht nur einen, sondern zwei stell­ver­tre­tende Orts­vor­steher. Das beschloss der Orts­beirat, wieder mit elf Stimmen. Für die zwei Posi­tionen kandi­diert haben Hans Dötsch (CDU) und Sieg­fried Zeitler (FWG). Das Wahl­ver­fahren war so, dass niemand mit Nein stimmen durfte. Wir fragten mehr­fach nach: Es gab nur die Möglich­keit, mit Ja zu stimmen oder einen leeren und damit ungül­tigen Stimm­zettel abzu­geben. Auch durfte nur eine Stimme abge­geben werden. Das führte dazu, dass nur zehn gültige Stimm­zettel abge­geben wurden. Sowohl Sieg­fried Zeitler als auch Hans Dötsch wurden mit jeweils 5 Stimmen zu stell­ver­tre­tenden Orts­vor­ste­hern gewählt und nahmen die Wahl an. Ein sehr beson­deres Wahlverfahren.

Und sonst?

Ansonsten wurde auf unseren Vorschlag Erhard Stäudel zum Vorsit­zenden des Orts­ge­richts gewählt – der Antrag der CDU, die Wahl zu vertagen, weil sie viel­leicht im Juni auch einen Kandi­daten habe, wurde abge­lehnt, weil das Amt schon seit einem Jahr unbe­setzt ist. Weiter beschloss der Orts­beirat mehr­heit­lich sowohl der Kita Sankt Kilian als auch Kids für Kost­heim einen finan­zi­ellen Zuschuss in Höhe von 1.000 Euro zu geben.

Wir sind gespannt!

Ja – so lief das im Orts­beirat. Wir wären froh, wenn wir wüssten, um was es diesem Wahl­bündnis inhalt­lich gegangen ist. Aber wir haben verdammt wenig von Inhalten gehört. Und zu dem, was Marion wollte – ein anderes Verständnis von Orts­bei­rats­ar­beit – wurde gar nichts gesagt.

Schade, schade

Der SPD in Kost­heim ist nun gelungen, wovon sie seit zwanzig Jahren träumt: Wieder den Orts­vor­steher zu stellen. Was glaubt die SPD damit errei­chen zu können?  Wir finden es schade, dass wir mit der SPD keinen anderen und gemein­samen Weg finden konnten.

So oder so – die Arbeit geht weiter. Und die nächste Orts­bei­rats­sit­zung steht schon vor der Tür – am 29. April 2026 um 18.30 Uhr in der Orts­ver­wal­tung. Unsere Anträge für die Sitzung findet Ihr hier.

Wer Lust hat, sich zu enga­gieren und bei uns mitzu­ma­chen, ist übri­gens herz­lich dazu einge­laden! Einfach eine Mail schreiben an " title>kontakt@​auf-​akk.​de oder unser Kontakt­for­mular ausfüllen.

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