Auf der ersten Sitzung des Ortsbeirates ist die Wahl des Ortsvorstehers bzw. der Ortsvorsteherin und seiner Stellvertreter:in immer der wichtigste Tagesordnungspunkt.
Hier die Kurzversion:
Zum Ortsvorsteher gewählt wurde der SPD-Mann Achim Gleissner – er erhielt insgesamt elf Stimmen von SPD (4), CDU (3), FDP (1) und FWG (3). Unsere Kandidatin Marion Mück-Raab unterlag mit den vier Stimmen der AUF-Fraktion.
Zu stellvertretenden Ortsvorstehern gewählt wurden der CDU-Mann Hans Dötsch und der FWG-Mann Siegfried Zeitler mit jeweils 5 Ja-Stimmen bei 15 Stimmberechtigten. Nein-Stimmen durften in dem Wahlgang nicht abgegeben werden, fünf Stimmzettel waren ungültig.
Herzlichen Glückwunsch!
Und hier nun die lange Version für alle, die mehr Zeit haben und sich jetzt wundern:
Insgesamt fünfzehn Sitze gibt es im Ortsbeirat – die sind in Kostheim nach der Wahl so verteilt worden: Wir haben vier Sitze, die SPD hat vier Sitze, die CDU und die FWG haben jeweils drei und die FDP hat einen Sitz. Wer Ortsvorsteher werden will, braucht also eine Mehrheit von acht Stimmen.
Eins Komma fünf
Wir haben Marion Mück-Raab, die in den letzten fünf Jahren stellvertretende Ortsvorsteherin war, als Ortsvorsteherin vorgeschlagen. Sie ist seit 2011 für den AUF im Ortsbeirat, sie hat Erfahrung, kennt Kostheim und seine Vereine und sie ist bekannt bei den Bürgerinnen und Bürgern. Und beliebt: Sie hat mit 1230 Stimmen beim Kumulieren und Panaschieren das beste Ergebnis in Kostheim bekommen – zum Vergleich der Spitzenkandidat der SPD: Achim Gleissner konnte beim Kumulieren und Panaschieren 854 Stimmen erreichen.
Doch die SPD war leider nicht bereit, Marion als Ortsvorsteherin zu wählen. Denn die SPD wollte den Ortsvorsteher selbst stellen. Ihre Begründung dafür war: Die SPD habe als stärkste Kraft einen Anspruch darauf.
Wer stärkste Kraft ist, das bemisst sich nach Wahlen in Sitzen und danach sind AUF und SPD gleich stark: Beide haben vier Sitze. Trotzdem: Die SPD beharrte auf den 1,5 Prozentpunkten, die sie mehr hatte.
Ich möchte gerne, dass sachorientiert gearbeitet wird – dass der Ortsbeirat zum Arbeitsgremium wird. Ein Gremium, bei dem Bürgerinnen und Bürger gehört werden, bei dem sie mitdenken und mitarbeiten können. Solche Veränderungen zu organisieren und neue Wege auszuprobieren – selbstverständlich im Rahmen der Hessischen Gemeindeordnung – darin sähe ich meine Aufgabe als Ortsvorsteherin.
Marion Mück-Raab in ihrer Vorstellungsrede
Halbe halbe?
Was soll man denn da machen? Es war ja auch nicht so, dass wir groß etwas gegen Achim Gleissner hatten. Wir fanden Marion besser, mehr nicht. Also machte Marion der SPD den Vorschlag, die Amtszeit zu teilen – jeder hat gleich viel Sitze, also bekommt jeder die Hälfte der Amtszeit und die gesamte Amtsperiode arbeiten wir eng zusammen. Darauf ließ sich die SPD aber nicht ein, sie wollte nicht einmal mit uns darüber reden, wie so ein Modell (das gerade auch in Schierstein praktiziert wird) in der Praxis aussehen könnte.
Das einzige, was sie uns anbot: Marion könne gerne wieder Stellvertreterin werden, übrigens neben Siegfried Zeitler von der FWG, der habe daran auch Interesse. Ansonsten: Keine verbindlichen inhaltlichen Verabredungen. Nada. Das haben wir abgelehnt. Marion hatte auch so gar keine Lust darauf: Keine Gestaltungsmöglichkeiten, dafür nur Termine, für die der Ortsvorsteher gerade keine Zeit hat? Was soll man denn mit so einem Posten?
Ich wünsche mir, dass unser Ortsbeirat als Instrument der Bürgerbeteiligung viel effektiver wird. Ich wünsche mir, dass die Fraktionen stärker zusammenarbeiten und den Konsens suchen, wenn das möglich ist.
Marion Mück-Raab in ihrer Vorstellungsrede
Andere Mehrheiten für Marion gab es nicht. Die FWG war „privat so ausgebucht“, dass sie unserem Wunsch, mit uns zu sprechen, nicht nachkommen konnte. Da wir mit der vorherigen FWG-Fraktion eng und vertrauensvoll zusammengearbeitet hatten, konnten wir das zunächst gar nicht verstehen. Nun ja. Jetzt wissen wir: Die FWG Kostheim hatte sich längst entschieden, den SPD-Mann zu wählen und dafür den Stellvertreter-Posten zu bekommen.
Macht elf
Also kam es zu einer Kampfkandidatur zwischen Achim Gleissner und Marion. Dass Marion keine Mehrheit erreichen wird, war dabei klar. Das Stimmergebnis war für uns trotzdem eine Überraschung: Ausnahmslos alle im Ortsbeirat – bis auf unsere Fraktion natürlich – gaben Achim Gleissner ihre Stimme. Er bekam sogar die drei Stimmen von der CDU.
Gleich zwei
Weil alle so brav waren, gab es dann nicht nur einen, sondern zwei stellvertretende Ortsvorsteher. Das beschloss der Ortsbeirat, wieder mit elf Stimmen. Für die zwei Positionen kandidiert haben Hans Dötsch (CDU) und Siegfried Zeitler (FWG). Das Wahlverfahren war so, dass niemand mit Nein stimmen durfte. Wir fragten mehrfach nach: Es gab nur die Möglichkeit, mit Ja zu stimmen oder einen leeren und damit ungültigen Stimmzettel abzugeben. Auch durfte nur eine Stimme abgegeben werden. Das führte dazu, dass nur zehn gültige Stimmzettel abgegeben wurden. Sowohl Siegfried Zeitler als auch Hans Dötsch wurden mit jeweils 5 Stimmen zu stellvertretenden Ortsvorstehern gewählt und nahmen die Wahl an. Ein sehr besonderes Wahlverfahren.
Und sonst?
Ansonsten wurde auf unseren Vorschlag Erhard Stäudel zum Vorsitzenden des Ortsgerichts gewählt – der Antrag der CDU, die Wahl zu vertagen, weil sie vielleicht im Juni auch einen Kandidaten habe, wurde abgelehnt, weil das Amt schon seit einem Jahr unbesetzt ist. Weiter beschloss der Ortsbeirat mehrheitlich sowohl der Kita Sankt Kilian als auch Kids für Kostheim einen finanziellen Zuschuss in Höhe von 1.000 Euro zu geben.
Wir sind gespannt!
Ja – so lief das im Ortsbeirat. Wir wären froh, wenn wir wüssten, um was es diesem Wahlbündnis inhaltlich gegangen ist. Aber wir haben verdammt wenig von Inhalten gehört. Und zu dem, was Marion wollte – ein anderes Verständnis von Ortsbeiratsarbeit – wurde gar nichts gesagt.
Schade, schade
Der SPD in Kostheim ist nun gelungen, wovon sie seit zwanzig Jahren träumt: Wieder den Ortsvorsteher zu stellen. Was glaubt die SPD damit erreichen zu können? Wir finden es schade, dass wir mit der SPD keinen anderen und gemeinsamen Weg finden konnten.
So oder so – die Arbeit geht weiter. Und die nächste Ortsbeiratssitzung steht schon vor der Tür – am 29. April 2026 um 18.30 Uhr in der Ortsverwaltung. Unsere Anträge für die Sitzung findet Ihr hier.
Wer Lust hat, sich zu engagieren und bei uns mitzumachen, ist übrigens herzlich dazu eingeladen! Einfach eine Mail schreiben an " title>kontakt@auf-akk.de oder unser Kontaktformular ausfüllen.