Antrag Nr. 07/2026 zur Sitzung des Ortsbeirats Mainz-Kastel am: Dienstag, 13. Januar 2026
Tischvorlage: Abänderung der Sitzungsvorlagen SV 25-V-61-0050 und SV 25-V-61-0051, Clemens Areal
Der Ortsbeirat wolle beschließen:
- 1.) Im Zusammenhang mit der Sitzungsvorlage 25-V-61-0050 (Rahmenplanung Clemens-Areal) sowie der Sitzungsvorlage 25-V-61-0051 (Aufstellungsbeschluss Bebauungsplan Clemens-Areal) wird der Magistrat gebeten, für das weitere Bebauungsplanverfahren keine Verfahrensverkürzung im Sinne eines faktischen Eilverfahrens vorzunehmen.
- 2.) Stattdessen ist für das Bebauungsplanverfahren eine Umweltprüfung im regulären Umfang und in der gebotenen Tiefe gemäß Baugesetzbuch durchzuführen.
- 3.) Die Umweltprüfung hat insbesondere folgende Aspekte vertieft, nachvollziehbar und auf aktueller Datenbasis zu untersuchen:
- die Auswirkung zunehmender Häufigkeit und Intensität von Hitzeereignissen und Tropennächten,
- die tatsächliche Wirksamkeit bestehender und angenommener Kaltluftströme unter fortschreitenden Klimawandelbedingungen,
- die klimatische Funktion des Rheins unter Bedingungen steigender Wassertemperaturen und häufiger Niedrigwasserstände,
- die kumulativen klimatischen Auswirkungen der Vorhaben Kastel Housing, Clemens-Areal sowie weiterer absehbarer baulicher Entwicklungen im Stadtteil Mainz-Kastel
- 4.) Dabei sind die aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnisse, insbesondere die Aussagen des Klimareports Hessen 2024 (HLNUG) und der im April 2025 vom DWD vorgenommenen Korrektur der verwendeten Klimamodelle in Richtung einer deutlich beschleunigten Erwärmung Deutschlands, explizit zugrunde gelegt werden.
- 5.) Die Ergebnisse der Umweltprüfung sind dem Ortsbeirat Mainz-Kastel vor einer weiteren inhaltlichen Konkretisierung der Bebauungsplanung in geeigneter Form zur Kenntnis zu geben.
Begründung:
Die Planung des Clemens-Areals und der damit verbundene Aufstellungsbeschluss erfolgen vor dem Hintergrund eines sich deutlich beschleunigenden Klimawandels. Der Klimareport Hessen 2024 zeigt, dass insbesondere urbane Räume in Hessen zunehmend von Hitzeereignissen, Tropennächten und gesundheitlichen Belastungen betroffen sind.
Vor diesem Hintergrund erscheint es nicht sachgerecht, Umwelt- und Klimafragen lediglich projektbezogen oder in verkürzten Verfahren zu behandeln. Klimatische Wirkungen entfalten sich räumlich, zeitlich und kumulativ. Eine isolierte Betrachtung einzelner Bauvorhaben greift daher zu kurz.
Der Antrag zielt ausdrücklich nicht auf eine Verhinderung städtebaulicher Entwicklung, sondern auf eine fachlich fundierte, verfahrenssichere und zukunftsfeste Planung, die den realen klimatischen Risiken für Mainz-Kastel gerecht wird und spätere Fehlentwicklungen vermeidet.
Mainz-Kastel 12. Januar 2026
Ronny Maritzen
– Fraktionsvorsitzender –