Presseerklärung AUF AKK vom 02.10.2025
Neue Kosten- und Finanzierungsübersicht für das Ostfeld
„Kosmetik“ statt ehrliche Zahlen
Einsparung von 33,5 Millionen Euro beim Autobahnanschluss
Defizit steigt trotzdem, Schienenkosten weiter offen
Auf der Sitzung des Ortsbeirats Mainz-Kastel am 30. September wurde die neue Kosten- und Finanzierungsübersicht (KoFi 2025) für die städtebauliche Entwicklungsmaßnahme Ostfeld vorgestellt. Ergebnis: Das Defizit wächst weiter. Von ursprünglich -72 Mio. Euro (2020) auf jetzt knapp -210 Mio. Euro. [1] In nur fünf Jahren hat sich die Schieflage fast verdreifacht.
Autobahnanschluss plötzlich überflüssig – 33,5 Millionen Euro „eingespart“
Die Wiesbadener Verantwortlichen planen keinen Autobahnanschluss mehr. Begründung: Ein Gutachter sehe keinen Bedarf mehr. Schriftliche Unterlagen? Fehlanzeige. Das ist nicht nur intransparent, sondern wirft neue Fragen auf. Der Streichposten „entlastet“ die Rechnung um 33,5 Millionen Euro.
Gesamtbilanz verschlechtert sich weiter: tiefrote Zahlen
Trotz dieser Einsparung ist das Defizit noch einmal gestiegen: von -206,7 (KoFi 2024) auf -209,8 Mio. Euro (KoFi 2025). Verantwortlich sind, so die Zahlen der Stadt: Anpassung an die Baupreissteigerungen (-23,9 Mio. Euro) und stagnierende Baulandpreise (-16,7 Mio. Euro). [2]
Und das ist noch nicht alles, denn in der Rechnung fehlen weitere hohe Millionenbeträge – etwa für Investitionen der Entsorgungsbetriebe (ELW) oder eine Schienenanbindung. Als wären das zu vernachlässigende Posten. Auch werden Investitionskosten für einst vorgesehene Freizeiteinrichtungen nicht berücksichtigt.
Schienenanbindung weiter ein blinder Fleck
Ohne leistungsfähige ÖPNV-Anbindung darf das Ostfeld nicht realisiert werden und würde als Stadtteil auch nicht funktionieren. Nach zwei Machbarkeitsstudien Schiene (die dritte ist beauftragt und läuft gerade) ist es der Stadt nicht möglich, die ungefähren Kosten für einen zentralen Bestandteil des Projekts einzuplanen.
„Für eine Straßenbahn würden dreistellige Millionenbeträge nötig werden. Ich vermisse hier klare Worte und ein Bekenntnis der Stadtpolitik zur Schiene. Denn ohne leistungsfähige Schienenanbindung kein Ostfeld“, meint Philipp Pfefferkorn für den AUF AKK. Stattdessen lässt der Oberbürgermeister eine Busanbindung prüfen, obwohl das glasklar den Auflagen der Regionalversammlung und früheren Zusagen der Stadtplanung widerspricht.[3]
Für die Bürgerinnen und Bürger bedeutet das: Niemand weiß, was am Ende wirklich auf uns zukommt. Außer dass es teuer wird. Aber wie teuer wird es wirklich? Baupreissteigerungen und stagnierende Baulandpreise verursachen Kosten von 40 Mio. Euro in nur einem Jahr. [4]
„Das Ostfeld wird den städtischen Haushalt überfordern. Können wir uns das in Zeiten leerer Kassen leisten? Woher sollen die mehreren hundert Millionen kommen, wenn das Geld jetzt schon überall fehlt?“ fragt Pfefferkorn.
„Die Stadt spart 33,5 Millionen Euro für einen Autobahnanschluss der plötzlich doch nicht mehr gebraucht wird. Gleichzeitig aber steigen die Kosten. Große Posten werden in der Rechnung nicht berücksichtigt. Das zeigt: Diese Rechnung ist nichts anderes als Kosmetik. So gewinnt man kein Vertrauen in ein Projekt, das den städtischen Haushalt mit dreistelligen Millionenbeträgen belastet.“ schließt Philipp Pfefferkorn.
Mainz-Kostheim, 02.10.2025
Philipp Pfefferkorn
[1] Sitzungsvorlage 25-V-61-0034. Abrufbar unter: https://piwi.wiesbaden.de/sitzungsvorlage/detail/3539403
[2] Vgl. Sitzungsvorlage, S. 43, Tabelle 3: Übersicht der Änderungen einzelner Themenbereiche der Anpassung
[3] Vgl. Sitzungsvorlage, S. 18 Abschnitt Schienenerschließung Stadtquartier:
„Einen grundsätzlichen Untersuchungsauftrag hierzu sowie zur Untersuchung einer vergleichbar leistungsfähigen Buserschließung hat die Kommission Ostfeld der Verwaltung in ihrer Sitzung am 04.06.2024 erteilt.“
[4] Vgl. Fußnote 2