Gemeinsames Positionspapier der AUF-Fraktionen in den Ortsbeiräten Kastel und Kostheim zur Diskussion um ein neues Bürgerhaus

Wir begrüßen den Vorschlag des Oberbürgermeisters, ein gemeinsames Bürger- und Kulturhaus für Kastel und Kostheim in der Kostheimer Landstraße zu errichten. Der Standort ist für beide Stadtteile gut erreichbar, er verfügt auch über eine gute ÖPNV-Anbindung. Insbesondere für große Veranstaltungen bietet so ein Haus sehr viel bessere Möglichkeiten als die Häuser an den alten Standorten.
Die AUF-Fraktionen in den Ortsbeiräten Kastel und Kostheim werden einem gemeinsamen Bürgerhaus an dieser Stelle allerdings nur unter der Voraussetzung zustimmen, dass gleichzeitig für beide Stadtteile ein verbindliches Konzept für die Erhaltung und Entwicklung der alten Ortskerne entwickelt wird.
Kein Ausverkauf von Alt-Kostheim!
Eine Lösung, die – wie bereits bei der Präsentation der Pläne angedeutet – eine Wohnbebauung im Ortskern von Alt-Kostheim vorsieht, lehnen wir ab.
Das alte Bürgerhaus steht im Herzen von Alt-Kostheim. Der ersatzlose Wegfall dieses Hauses würde den Charakter des Stadtteils verändern, denn Möglichkeiten der Bürgerinnen und Bürger, sich hier zu begegnen, würden sehr stark eingeschränkt. Das Kostheimer Bürgerhaus ist einer der wenigen noch verbliebenen Treffpunkte in Alt-Kostheim.
Neben der Stadtteilbibliothek, die von Kindern wie von Erwachsenen stark genutzt wird, bietet das Bürgerhaus auch dem Musikverein Concordia Räumlichkeiten für Proben und Unterricht. Darüber hinaus
ist im Keller eine kleine Nachhilfeschule untergebracht, die seit langem auf bessere Räume für die Kinder hofft. Im Kostheimer Bürgerhaus finden regelmäßig Chor- und Ballettproben statt, auch kleinere kulturelle Veranstaltungen, Bazare und vieles mehr. Eine vierwöchige Kunstaktion der „Kostheimer Guckmal-Macher“, die vor kurzem stattfand, fand mit fast 500 Besuchern großes Interesse vor Ort und hat das Bedürfnis nach einem kulturellen Treffpunkt noch einmal unterstrichen. Darüber hinaus führt die benachbarte Carlo-Mierendorff-Schule alljährlich ihre Einschulungsfeierlichkeiten im Bürgerhaus durch, auch die Abschlussfeiern finden dort statt. Die Schule hat keine alternativen Möglichkeiten, die Turnhalle ist zu klein, sie ist auf die Nutzung dieser Räumlichkeiten angewiesen.
Für all diese Nutzungen muss es am alten Standort eine Lösung geben. Die Bücherei, die eng mit den benachbarten Kindergärten und der Schule kooperiert, muss im Ortskern verbleiben. Es müssen Räume geschaffen werden, die eine kulturelle Arbeit in Alt-Kostheim weiterhin ermöglichen. Auch ein freier Platz für Wochenmarkt und Stadtteilfeste muss erhalten bleiben.
Wie der Kostheimer Ortskern in Zukunft aussehen soll, ob es neben der Bücherei, ein kleines Café geben kann, ob der Seniorentreff aus der Schule ausgelagert und an diese Stelle verlegt wird, welche Möglichkeiten für Ausstellungen geschaffen werden und vieles mehr – darüber muss mit den Vereinen aber auch mit den Bürgerinnen und Bürgern in Kostheim gesprochen werden. Ideen für den Ortskern sollten gemeinsam mit ihnen entwickelt werden.
Bei bloßen Bekenntnissen und Alibiveranstaltungen darf es dabei nicht bleiben. Nach der Pleite der Bürgerbeteiligung beim Linde-Gelände und vor dem Hintergrund, dass der Magistrat bei der Lesselallee gnadenlos gegen den Bürgerwillen vorgeht, ist das Vertrauen der meisten Kostheimer in solche Versprechungen sehr gering. Wir fordern daher ein verbindliches Verfahren und erwarten vom Oberbürgermeister einen konkreten Vorschlag.
Chance für die Mainzer Staße nutzen
Auch in Kastel bietet der Wegfall des Bürgerhauses eine Chance für die Entwicklung des Herzens von Alt-Kastel, nämlich die Mainzer Straße, aber auch der Paulusplatz kann von dieser Entwicklung profitieren. Wir schlagen deshalb vor, sämtliche Einrichtungen, die sich derzeit im Kasteler Bürgerhaus befinden, entsprechend zu verlagern und damit das kommunikative Zentrum von Kastel zu stärken Für die Stadtteilbibliothek bieten sich die Räume der Postagentur am Geschichtsbrunnen an, die seit  kurzem leerstehen. Diese Räumlichkeiten sollten umgehend gesichert werden.
Auch in Kastel sollten neben den Vereinen interessierte Bürgerinnen und Bürger beteiligt werden.
Die Planung und Gestaltung der Alt-Standorte müssen in der Hand der städtischen Ämter bleiben. Eine Vergabe an die intransparenten GmbHs wie SEG, WIBAU, GWW kommen für uns nicht in Frage. Auch den Verkauf der Flächen an private Investoren lehnen wir ab – für den Stadtteil so bedeutsame Räume dürfen nicht privatisiert werden.
Wir betrachten diese Diskussion um ein neues Bürgerhaus als eine große Chance für die Entwicklung von Kastel und Kostheim und sind zuversichtlich, dass eine Lösung gefunden werden kann, von der beide Stadtteile profitieren werden.
unterzeichnet von
Hartmut Bohrer, Irmela Jungels, Ronny Maritzen (alle Ortsbeirat Kastel)
Marion Mück-Raab und Frank Porten (beide Ortsbeirat Kostheim)

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